Gelenkblutungen
Viele Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Hämophilie erleben Gelenkblutungen – sie gehören zu den häufigsten spontanen Blutungsereignissen (Blutungen ohne externe Ursache). Unsere Gelenke sind immer in Bewegung und erleben daher eine Menge mechanischen Stress, was immer wieder zu kleineren Verletzungen führen kann. Gleichzeitig ist die Gelenkinnenhaut sehr gut durchblutet. Bluter müssen diese Kombination aus hohem Verletzungsrisiko im Alltag und starker Durchblutung des Gewebes ernst nehmen – insbesondere, da häufige Blutungen zur nachhaltigen Schädigung der betroffenen Gelenke bis hin zur ausgeprägten Arthrose führen können.
Gelenkblutungen erkennen – Anzeichen & Symptome
Gelenkblutungen äußern sich je nach Schweregrad durch eine ganze Reihe von Symptomen, vor allem durch starke Schmerzen im Gelenk und eingeschränkte Beweglichkeit; die Haut ist typischerweise warm, manchmal heiß und gerötet. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Symptome auftreten müssen und auch kleine Verletzungen auf Dauer Komplikationen nach sich ziehen können. Für Hämophilie-Patienten ist es daher wichtig, schnell zu reagieren, auch wenn sich nur einige der Symptome schwach zeigen.
- Gelenkschmerzen
- Schwellungen des Gelenks mit oder ohne Rötung
- Berührungsempfindlichkeit oder Gefühl von Erwärmung
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Bewusste oder unbewusste Schonhaltung in der Bewegung
Folgen von Gelenkblutungen
Kommt es zu einer Verletzung der Gelenkinnenhaut, hält die Blutung bei Hämophilie-Patienten länger an als normal. In der Folge sammelt sich mehr Blut in der Gelenkkapsel, gerinnt und kann zu einer chronischen Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovitis) führen. Diese Entzündung macht die Gelenkinnenhaut empfindlicher gegenüber Verletzungen, verursacht die Entstehung von Knorpelgewebe, das die Beweglichkeit des Gelenks einschränkt, und kann auch den Knochen selbst schädigen.
Im ungünstigsten Fall kann es zu einem Teufelskreis kommen, bei dem die Entzündung die Zahl der Blutungen erhöht und die Blutungen die Entzündung anfachen. In der Fachsprache wird dieser Prozess auch hämophile Arthropathie genannt – und ihn zu verhindern ist ein wichtiges Behandlungsziel bei Hämophilie.
Behandlung von Gelenkblutungen
Oberstes Gebot beim Umgang mit Gelenkblutungen ist es, schnell auf Symptome zu reagieren. Je schneller die Blutung gestoppt und das Gelenk entlastet wird, desto besser. Hämophilie-Patienten sollten auf jeden Fall mit ihrem Arzt darüber sprechen, was sie im Falle einer Gelenkblutung tun sollen – beispielsweise bezüglich der zusätzlichen Gabe von Gerinnungsfaktoren, um die Blutung schneller zu stoppen.
Außerdem gibt es einige allgemeine Maßnahmen, die ergriffen werden können:
Das Thema ernst nehmen
Regel Nummer eins ist, Gelenkblutungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Schon bei Verdacht auf eine beginnende Gelenkblutung sollte die Behandlung schnell eingeleitet werden.
Hochlagern
Die betroffene Gliedmaße hochzulegen kann den Druck im Gelenk vermindern und die Chance von Nachblutungen reduzieren.
Kompression
Ein Druckverband oder Kompressionsstrumpf kann das Abschwellen des Gelenks und die Heilung beschleunigen.
Kühlen
Die Kühlung des betroffenen Gelenks lindert Schmerzen, vermindert die Durchblutung und unterstützt das Abschwellen. ACHTUNG: Legen sie keine Kühlpackungen oder Eis direkt auf ungeschützte Haut.
Das Gelenk ruhig halten und schonen
Bewegen Sie sich möglichst wenig, halten Sie das Gelenk ruhig und schonen Sie es für mindestens 24 Stunden. Zudem können Sie ggf. eine Gehhilfe benutzen.
ACHTUNG: Diese Maßnahmen ersetzen auf keinen Fall die ärztliche Beratung und der Umgang mit Gelenkblutungen hängt auch von Ihrem persönlichen Schweregrad der Hämophilie ab. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt darüber, wie Sie auf Gelenkblutungen reagieren sollen.
Prävention von Gelenkblutungen
Noch besser, als Gelenkblutungen erfolgreich zu behandeln, ist es, wenn diese gar nicht erst auftreten. Diese Punkte können die Prävention unterstützen:
- Körperliche Betätigung: Sportliche Betätigung sollte nicht aus Angst vor einer Verletzung unterlassen werden. Ein guter körperlicher Allgemeinzustand, eine gesunde Muskulatur und ein trainiertes Koordinationsvermögen – all das hilft, Verletzungen zu vermeiden. Wichtig ist jedoch, die richtigen Sportarten zu wählen; Schwimmen ist beispielsweise erheblich schonender für die Gelenke als Joggen.
- Übergewicht: Übergewicht zu reduzieren kann eine erhebliche Entlastung der Gelenke mit sich bringen, die das Risiko von Einblutungen in die Gelenke reduziert.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel senken die Entzündungsneigung, was indirekt auch hilft, negative Folgen von Gelenkblutungen zu mildern. Dazu gehören beispielsweise Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind (z. B. Leinöl und Fisch).
Bei schweren Auspägungen der Hämophilie werden zur Prophylaxe auch zusätzliche Gerinnungsfaktoren verabreicht. Solche Maßnahmen müssen jedoch immer vom behandelnden Arzt verordnet werden.
Tipps für Eltern – Gelenkblutungen bei Kindern
Kinder, insbesondere Kleinkinder, können manchmal Schmerzen oder Missempfindungen noch nicht richtig kommunizieren. Bleiben Gelenkblutungen unerkannt, kann dies schon im frühkindlichen Alter zu lebenslangen Schäden führen. Daher ist es für Eltern wichtig, auf die Bewegungsmuster ihrer Kinder zu achten, um schnell reagieren zu können. Die typischsten Anzeichen sind schmerzbedingte Schonhaltungen, aber auch andere Abweichungen im Bewegungsverhalten könnten auf Gelenkblutungen hinweisen. Auch hier: Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, was der beste Umgang mit Gelenkblutungen ist.
Autor
Susanne Ritter
Christiane Wiemann
Redaktionelle Bearbeitung
Jenny Tremmel
Erstellungs-/Änderungsdatum
21.07.2021 /
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prof. Dr. Florian Langer
Leiter des Bereichs Hämostaseologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Foto © / UNIVERSITÄTSKLINIKUM HAMBURG-EPPENDORF
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