Was mit Hämophilie geht,
und was nicht

Veröffentlicht: 28.5.2021 Autor: Linus Thema: Freizeit und Aktivität Tags: #Hämophilie#Bluter

Fußball, Wandern, Skaten?


Kennt ihr Fußballer, Football-Stars oder Skater-Asse, die Hämophilie haben? Ich nicht. Woran liegt das? Sicherlich nicht daran, dass wir kein Talent zum Kicken hätten. Oder daran, dass wir keinen muskelbepackten Körper haben könnten. Nein, das ist es nicht. Ich kenne viele Bluter, die echte Sportskanonen sind. Es ist eher das hier: Einige Sportarten sind für Menschen mit Hämophilie einfach zu gefährlich.

„Zu gefährlich“: Das heißt nicht, dass wir schnurstracks auf der Intensivstation zu landen würden, wenn wir mal einen Fußball an den Fuß legen oder einen Football in die Hand nehmen würden. Sondern eher, dass die Erfahrung gezeigt hat, dass das Risiko einer Blutung zu hoch ist, um solchen Sportarten als Hobby – geschweige denn als Beruf – nachzugehen. Im Vereinsfußball etwa sind Fouls an der Tagesordnung, im Football wird das schwere Tackling geradezu gefeiert. Sind derlei Sportarten für uns verloren? Was geht, was nicht? Was muss ich beachten? Und warum ist Sport gerade für uns so wichtig?


Die Risikogruppen


Sportarten mit hohem Risiko

Football, Rugby, Wrestling oder Skaten sind für unserlei unerreichbar. Diese Aktivitäten sollten von einem Hämophilen besser nicht ausgeführt werden. Da gibt es, glaube ich, nicht viel zu erklären: Solche Sportarten sind einfach zu gefährlich! 

Dann gibt es noch Grauzonen: Aktivitäten wie Fußball. Im Verein wird das wohl ebenso schief gehen. Zu hart geht es dort zu. Mit Freunden ist Kicken zwar immer noch nicht empfehlenswert – aber vielleicht hin und wieder möglich? Das kommt auf deine Situation an. 

Wichtig: Unbedingt vorher spritzen! Denn das Risiko ist hoch, und die Gelenke werden es euch auch nicht danken. Wichtig wäre, dass eure Freunde Bescheid wissen, dass ihr Hämophilie habt. 
 

Sportarten mit moderatem Risiko

Diese Sportarten weisen ein mittleres Verletzungsrisiko auf, das durch Vorsichtsmaßnahmen verringert werden kann: Fahrradfahren zum Beispiel. Das Verletzungsrisiko durch einen Sturz kann durch einen Helm und vorherige Substitution kleingehalten werden, Körperkontakt gibt es keinen. 

Oder wandern! Das mache ich sehr gerne. Für die Gelenke ist es schwerbepackt nicht optimal, sicher. Aber geschützt ist das Risiko sehr vertretbar. Und: Es besteht ein Unterschied darin, ob ich den Mount Everest besteige oder eine Tour durchs Wattenmeer mache. 
 

Sportarten mit geringem Risiko

Diese Sportarten sind nicht so gefährlich: Schwimmen zum Beispiel. Das trainiert nicht nur viele Muskelpartien. Im Wasser ist man auch schwerelos. Stürze sind ausgeschlossen, Stöße sehr selten. Was könnte man noch nennen? Schach, Tischtennis, der Besuch eines Fitnessstudios, Kanu fahren. 

Sport für Hämophile ist nicht nur wünschenswert, wie für jeden anderen Menschen auch, sondern gerade für sie wichtig. Denn Sport bedeutet auch: 


Dabei sein!


Wenn meine Freunde ständig zusammen aktiv sind, und ich nie mitmachen kann, dann kann das ganz schön traurig machen. Es ist wichtig, dass Menschen mit Hämophilie an solchen Ereignissen teilhaben können. Wie oft habe ich im Schulsport wegen einer Blutung nicht mitgemacht und musste von der Bank aus zusehen? Das war ein blödes Gefühl, an das ich mich noch heute erinnere, viele Jahre nach meiner Schulzeit. 


Selbstvertrauen und Freude am Leben


Wie traurig wäre unser Dasein ohne den Spaß an der Aktivität? Viele meiner Bekannten mit Hämophilie wären traurige Leute, würden sie denken, dass Sport für sie unmöglich ist. Aber auch um Selbstvertrauen geht es. Oft habe ich Kinder und Jugendliche gesehen, die in sportlichen Dingen kaum Selbstbewusstsein hatten. Weil sie vielleicht nie Sport machen durften, oder Angst hatten? Das muss so nicht sein!


Keine Sportart ist frei von Risiken


Man muss sich klar machen: Keine Sportart ist frei von Risiken. Durch einen verantwortungsvollen Umgang können Verletzungen aber auf ein Minimum reduziert werden. Ob Fußball, Wandern oder Joggen: Ob eine Sportart das Risiko wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Wir sind alle freie Menschen, und unser Körper gehört uns selbst.

Wichtig ist aber eine solide Einschätzung: Die Aussicht für jemanden mit einer leichten Hämophilie ist besser als für jemanden mit einer schweren Hämophilie. Eure Ärzte können bei der Entscheidung eine Hilfe sein. Sie können die individuelle Lage gut einschätzen.

Wenn man seines Lebens nicht mehr glücklich wird, weil man glaubt, seiner Leidenschaft nicht nachgehen zu können, dann sollte man es zumindest mal probieren. Mit entsprechender Medikation und Vorsicht natürlich. Abbrechen geht immer noch! Mein Arzt hat das damals unterstützt und begleitet. Auch sie wollen, dass wir so normal wie möglich leben können.

Ich habe schon einiges ausprobiert. Viele Dinge haben mit Spaß gemacht: Manchmal waren das Sportarten mit hohem Risiko – manchmal Aktivitäten wie Kanu fahren, die keinerlei Risiko mit sich tragen. Klar ist nur: Es bringt nichts, sich selbst oder seine Angehörigen vollständig in „Watte zu packen“. Verantwortungsvoll etwas zu wagen, das kann gelingen. Den Versuch ist es wert!

Euer Linus

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