Patientenbesuch Itzehoe

Veröffentlicht: 22.11.2021 Autor: Linus Thema: Hämophilie Tags: #Hämophilie#Bluter#Patientenbesuch

Patientenbesuch Itzehoe


Ahmad Javid M. hat verschlafen, empfängt uns aber freundlich in seiner Wohnung, die in einem Itzehoer Wohnblock liegt. Am Küchentisch bereitet er mit Krankenschwester Susanne Ritter die Substitution vor. Javid, wie er genannt werden will, trifft die Vene auf Anhieb. Dann bleibt er noch einen Moment sitzen, noch immer müde, und nimmt sich Zeit, aus seinem Leben zu erzählen, in dem ihm Wunder und Katastrophen widerfuhren.

Javid ist kein Deutscher, sondern Afghane. Vor 13 Jahren lebte er noch in seiner Heimat Kabul. „Afghanistan ist – wie soll ich sagen – ein ganz komisches Land.“ Damals habe es dort Krieg gegeben, und er sei Soldat in der Afghanischen Armee gewesen. Die Chance, dass Javid von Kämpfen unberührt bleiben sollte, war gering.

Und so kam es dann auch nicht. Eines Tages hat er gemeinsam mit seinem Onkel, der ebenfalls Soldat war, einen Einsatz. Die beiden sollen in eine benachbarte Stadt fahren und nach dem Rechten sehen. Zunächst scheint alles ruhig. Doch dann gibt es Probleme: Wie aus dem Nichts schlägt eine Granate neben Javid ein. Er bekommt Splitter ab: „Auf einmal dreht sich die ganze Welt.“ Blut strömt aus seinem Gesicht wie Wasser, wie er es beschreibt, und verwehrt ihm die Sicht. Seine Augen fallen zu – und Javid ins Koma.

Die Ärzte, die Javid retteten, eröffnen ihm später, dass er viel Blut verlor. Seine Oma, die davon hörte, betet daraufhin für ihn, auf dass ihr Enkel wieder wach würde. Nach 24 Tagen erhört man sie: Javid kommt wieder zu Bewusstsein. Er findet sich im Bett einer Krankenstation des Roten Kreuzes wieder.

Weil es in Afghanistan zu dieser Zeit keine funktionierenden Krankenhäuser gibt, fährt er eines Tages mit seinem Onkel nach Iran, um Javids Blut untersuchen zu lassen. Irgendetwas musste damit nicht stimmen: Nicht nur hatte er durch seine Kriegsverletzung viel Blut verloren, sondern auch immer wieder Nasenbluten, stundenlang.

Nach der Untersuchung nimmt die Ärztin den Onkel zur Seite und erzählte ihm, dass Javid Bluter sei. Dieser versucht, die Situation herunterzuspielen, und versichert Javid, dass er sich keine Sorgen machen müsse. Er sei gesund, so wie alle anderen Menschen. Javids Onkel meinte das nicht böse – aus falscher Fürsorge wollte er seinen Neffen nicht schockieren. Doch der lässt sich nicht abspeisen: „Onkel“, sagt er bestimmt, „was ist mit meinem Blut?“

Fortan war Javids Familie klar, dass es das Beste wäre, wenn er nach Deutschland ginge. Dort würde ein besseres Leben auf ihn warten. Als sie zurück in Kabul sind, schaut ihn sein Onkel an: „Hier ist Geld. Hau ab. Mehrmals hattest du Glück – beim nächsten Mal bist du tot. Über Kontakte organisieren sie ihm die Flucht nach Deutschland. Über Iran, die Türkei und Frankreich findet er schließlich einen Weg nach Hamburg.

In Deutschland fährt Javid schließlich jedes Mal ins Krankenhaus, um sich spritzen zu lassen. Auf Dauer ist das für ihn eine Tortur: „Über eine Stunde musste ich da sitzen, bis ich dran war. Irgendwann hatte ich keinen Bock mehr.“ Damals rät man ihm, ins Uniklinikum Hamburg-Eppendorf zu fahren. Dort soll er das Spritzen lernen. Javid folgt dem Rat.

Zuhause in Itzehoe versucht er es irgendwann selbst. „Aber auf einmal wurde es bei meiner Vene dick, wie ein Luftballon. Ich hatte richtig Schmerzen. Dann bin ich zum Hausarzt, der erledigte das. Seitdem habe ich nicht weitergemacht. Weil ich gemerkt habe: Das wird nichts.“ Wieder geht er ins Uniklinikum, ratlos – was jetzt? „Die haben mir gesagt: Wir müssen eine Lösung finden.“

Die Lösung war ein Spritzenservice. Seit fast einem Jahr kommt Hämophilieschwester Susanne nun schon zu Javid. „Er ist jetzt gut dabei und es klappt“, erzählt sie. Inzwischen nimmt Javid die Nadel nämlich wieder selbst in die Hand. Ob er das Gefühl habe, dass es ihm schon besser gehe, fragt sie ihn: „Viel besser“, antwortet der. „Früher hatte ich viele Beschwerden. Aber jetzt nichts mehr.“

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